philosophie

25 jahre
schmuckatelier braunfisch 


freischaffende goldschmiedin in köln
konzeption und realisation von gruppenaustellungen

 

susanne waltermann, votivbild 27

angewandte kunst

wäre ich tischlerin, würde ich einen baum in einen stuhl transformieren; wäre ich keramikerin würde ich in die erde greifen und eine vase hervorbringen. ich bin goldschmiedin und verwandle unvergängliches edelmetall* in einen ring.

dieser entstehungsprozess vom ursprünglichen zum produkt ist eine zusammenspiel aus handwerklicher technik, intuition und künstlerischer aussage:
indem ich edelmetalle legiere. indem ich eine idee verfolge, verwerfe, weiterentwickle und dabei nach einer technischen lösung suche. indem ich eine form durchdringe und edelsteine so lange hin- und herschiebe, bis die anordnung “mit mir spricht”.

dann die phase, in der klar wird: die idee funktioniert! die form berührt mich! die aussage stimmt! und schließlich die freude, wenn ich das schmuckstück mit meinem atelierpunzen stemple und es in die welt entlasse. ich gestalte jedes stück so, dass ich es selber tragen würde. und so wie man enge freunde vermisst, wenn sie weggezogen sind, gibt es schmuckstücke, die ich vermisse, weil sie nicht mehr um mich sind… denn dieses um-sich-haben ist ein elementarer aspekt. sie, als träger:in, haben die möglichkeit diese kleinen werke nicht an eine wand zu hängen oder auf einen tisch zu stellen, sondern sie am eigenen körper zu tragen. als persönlicher begleiter, als schutz, als statement oder – besonders bei trauringen – als symbol.

*auch wenn ich dabei zum teil abbaumethoden in kauf nehmen muss, die ich nur schwer vertreten kann. da mir nachhaltigkeit ein wichtiges anliegen ist, beziehe ich zumindest meine edelmetalle von einem unternehmen, das altgold recycelt.

mein ausdruck

wenn sich herz, hand und hirn einig sind und ich wieder ein schmuckstück erschaffen habe, dass sich durch die bewegung immer wieder ein klein wenig verändert, ist das für mich das höchste glück. es ist eins meiner lebensprinzipien, das sich in dem frei zitierten satz widerspiegelt: “handle immer so, dass mehrere möglichkeiten entstehen”. einfacher gesagt als getan…

als goldschmiedin kann ich das nicht nur formal sondern auch durch das material ausdrücken: es lässt sich bis in filigranste zehntelmillimeter bearbeiten, es ist weich genug zum verformen und hart genug zum tragen.

anfangs war mein ausdruck von symmetrie und rechten winkeln geprägt. im laufe der jahre haben sich die edelsteine immer öfter asymmetrisch und als “schräge gestalten” auf meinen schmuck gesetzt, als würden sie den kopf neigen und sagen: guck dir das doch mal aus dieser perspektive an…

dabei lag mein schwerpunkt immer schon auf ringen. sie bereiten mir, als trägerin, die meisten freude. ein ring befindet sich, bei allem, was ich mit meinen händen tue, in meinem blickfeld und meiner wahrnehmung. ich trage schmuck für mich und so entwerfe ich ihn auch. bei den langen ketten der serie k. setze ich die edelsteine so, dass ich sie selber “ von oben” sehen kann.

als handwerkerin liebe ich die präzision, das finden von lösungen und natürlich das herstellen eines produkts von hand.

als mensch sind mir klarheit, leichtigkeit, humor und liebe wichtige werte.

als künstlerin verbinde ich die qualitäten der handwerkerin mit den eigenschaften meiner persönlichkeit und finde meinen beglückenden ausdruck darin.

in diesem jahr betreibe ich jetzt seit 25 jahren mein schmuckatelier in der eifelstraße. auch wenn ich in diesem sommer nicht die gelegenheit haben werde, mit ihnen zusammen zu feiern, wird vielleicht im nächsten jähr ein 25+fest daraus. ich freue mich darauf, dann einige von ihnen und meinen werken wiederzusehen! mögen noch viele jahre dazu kommen, in denen ich meine leidenschaft mit ihnen teilen kann!

susanne waltermann, votivbild 155

co-kreation

wenn sie als kundin oder kunde mein schmuckatelier betreten, freue ich mich, wenn sie eine meiner serien begeistert. ebenso gerne entwickle ich mit ihnen zusammen ihr persönliches schmuckstück. das kann sein, dass sie schon eine genaue vorstellung haben, das kann sein, dass wir zusammen herausfinden, was genau ein “schöner ring” ist. das ist für jede:n etwas anderes. hier kann ich sie mit meiner intuition und handwerklichen erfahrung beraten, während sie ihre vorstellungen mit einbringen und wir dabei gemeinsam ein schmuckstück entstehen lassen.

ein spannendes thema ist für mich auch, wenn sie noch schmuck aus jüngeren tagen oder aus vorherigen generationen besitzen, den sie so nicht (mehr) tragen, der aber eine bedeutung für sie hat. hier können sie die geschichte  – unter verwendung des vorhandenen materials – in eine aktuellere, für sie passende formensprache umwandeln und weiter in die zukunft tragen.

es ist immer wieder ein besonderer moment, wenn zwei menschen sich – mit ihren eigenen ästhetischen vorstellungen – auf die form ihrer trauringe festlegen und sich die fragen stellen:
sollen die ringe klassisch schlicht sein oder sollen sie einen formalen akzent setzen? welches profil fühlt sich gut an? wie breit? wie hoch? welche legierung? matt oder poliert? und was, wenn sich unsere vorstellungen nicht decken? welcher aspekt ist für mich unverzichtbar und wo bin ich kompromissbereit? sollen unsere ringe identisch aussehen oder sollen sie sich unterscheiden? bis hin zu: wollen wir ein gemeinsames symbol / eine besondere gravur in die ringe integrieren?

die antworten entwickeln wir gemeinsam in einem persönlichen gespräch und bei dem anprobieren von musterringen in meinem schmuckatelier und gestalten so ihre individuellen eheringe mit ihrer ganz eigenen symbolkraft.

vita

seit 2013
mitglied akk – angewandte kunst köln e.v.

1998 – 2010
vorstandsmitglied ffsd – forum für schmuck und design e.v.

1995
eröffnung des schmuckateliers in köln;
bis 2002 in ateliergemeinschaft mit andrea winkler

seit 1994
teilnahme an gruppenausstellungen im in- und ausland.

konzeption und realisation von themen- und gruppenausstellungen

1994
gründung der gruppe orange

1993
abschluss als goldschmiedegesellin

1991-1993
umschulung zur goldschmiedin bei r. kreher, düsseldorf

seit 1990
mitglied ffsd – forum für schmuck und design e.v.

1984 – 91
studium der diplompädagogik an der universität zu köln

1984
abitur

1964
geboren in mönchengladbach